Rüsselsheim (Deutschland)

Standort:

Rüsselsheim (Hessen) (seit 1862)

Aktuelles Produktionsprogramm

Insignia B Grand Sport
Insignia B Sports Tourer
Insignia B Country Tourer
Holden Insignia VXR
Zafira C Tourer
Getriebe- und Komponenten
 (alle Stand 2017)

Ehemaliges Produktionsprogramm

Senator + Monza
Vectra A + B 
Vectra C (2002-2008)
Signum (2002-2008)
Omega (bis 2003)
Insignia A (ab 2008-2017)
Astra J 5-türig (2011-2015)

Gesamtfläche

Gesamt: 1.154.750 Quadratmeter
Produktion: ca. 250.000 Quardratmeter

Jahreskapazität

180.000 Fahrzeuge
(Zwei-Schicht-Betrieb)

Mitarbeiter:

Gesamt: 15.040
davon Werk: 4.060
davon Entwicklungszentrum: 7.690
(alle Stand 2016)


Zentrale und Stammsitz/-werk der Opel Automobile GmbH

Historie:

Hier begann Adam Opel im Jahre 1862 mit der Montage und dem Verkauf der ersten Nähmaschinen. Das „Werk“ war ein Raum in einem ehemaligen Kuhstall seines Onkels, zugleich auch der Grundstein für einen schnell wachsenden Betrieb. An einem neuen Standort neben der Bahnstrecke entstand die Nähmaschinenfabrik, die ab 1887 auch die industrielle Fertigung von Fahrrädern ermöglichte. Schon 1899 erfolgte mit dem Bau des Patent Motorwagens „System Lutzmann“ der Einstieg in die Automobilproduktion. Mit Hilfe von Alexandre Darracq waren die Opel Techniker alsbald souverän und präsentierten 1902 ihr erstes Fahrzeug aus eigener Entwicklung, den Opel-Motorwagen 10/12 PS. Es folgten viele Erfolgsmodelle wie der 4/8 PS “Doktorwagen” von 1909 und der Opel 4/12 PS von 1924, besser bekannt als „Laubfrosch“. Er wurde der erste deutsche Wagen in kostensenkender Fließbandfertigung. 1935 setzte Opel mit dem Typ Olympia wieder einen Meilenstein in der Automobilentwicklung. Der kleine Olympia wurde der erste deutsche Serienwagen mit einer selbsttragenden Ganzstahl-Karosserie und damit der Urvater aller späteren Entwicklungen zur Unfallsicherheit. Auch in der Fertigung am laufenden Band setzte Opel mit dem Olympia prägende Akzente, die heute in der Automobilproduktion Standard sind: das Zusammenführen der Produktionsbänder von Karosserie und Antriebsaggregaten zur sogenannten „Hochzeit“. Bald war Opel der führende Hersteller in Europa und der erste, der im Jahre 1940 das millionste Fahrzeug ausrollen ließ. Schon 1956 folgte die zweite Million. Die Rüsselsheimer Werker schmückten einen Opel Kapitän mit goldenen Zierteilen. Für die weiter expandierende Produktion von Rekord und K-A-D wurde es im Rüsselsheimer Werk zu eng, sodass ab 1962 die kleineren Modelle aus dem neuen Werk Bochum und wegen anhaltender Nachfrage auch aus Antwerpen kamen. Beide Standorte sind heute nicht mehr vorhanden.

Einen gewaltigen Innovationsschub erlebte der Opel-Standort Rüsselsheim  im Jahre 1981 mit einer neuen Lackiererei, in der als erstes Automobilunternehmen wasserlösliche Lacke eingesetzt wurden. Mitte der 1980er Jahre folgte ein umfangreiches Modernisierungsprogramm mit Robotern, Modultechnik sowie der Einführung von Gruppenarbeit. Von den Produktionsbändern liefen seinerzeit Modelle wie Senator oder Monza, der Omega und die ersten beiden Serien des Vectra.

Mit der Eröffnung des neu errichteten Werkes im Januar 2002 entstand das modernste Automobilwerk der Welt. Mit einer Gesamtinvestition von 750 Millionen € und unter einer neuartigen Computer-Simulation wurde eine exakte Vorausplanung der Fertigungsabläufe und des Materialflusses sowie die Entwicklung höchster ergonomischer Standards ermöglicht. Durch die Form eines Sternes konnten so z.B. viele Zulieferanten per LKW die Zulieferteile direkt an die Produktionslinien „Just in Time“ anliefern. Hierdurch entfielen Zwischenlagerplätze sowie Transportfahrten innerhalb des Werkes. Der neue Opel Vectra C wurde gefertigt, im Jahr 2003 kam der Signum hinzu. Das neue Werk setzte Maßstäbe bei Produktivität, Qualität, Flexibilität und Ergonomie. Seit Oktober 2008 läuft in Rüsselsheim der Insignia in allen Varianten vom Band, auch für Vauxhall und Holden. 2010 wurde mit einem silbernen Insingia der 16-millionste Opel aus Rüsselsheim hergestellt.
 
Auch das baute Rüsselsheim: Nach dem Cadillac Catera, ein angepasster Omega MV6, folgte 2010 für zwei Jahre der Buick Regal für den nordamerikanischen Markt. Mit Beginn des Modelljahres 2012 erweiterte man die Produktionslinien zusätzlich um den 5-türigen Astra J. Mit einem Investitionsbudget von ca. 51 Millionen €, davon allein 36 Millionen € in das Karosseriewerk, ist Rüsselsheim damit bis heute das einzige Opel-Werk, das zwei Modellreihen aus zwei verschiedenen Segmenten - gehobene Mittelklasse und Kompaktklasse - auf einer Linie baute. Nach der Schließung des Bochumer Werkes im Dezember 2014 übernahm Rüsselsheim die Produktion des Zafira Tourer. Den Astra verlagerte man nach England und Polen. Große Investitionen sollen in Rüsselsheim folgen. So kündigte GM Chefin Mary Barra auf der IAA 2015 an, dass bis Ende 2020 ein komplett neuer SUV in der südhessischen Region gefertigt und das Werk weiter modernisiert werden soll

Über die Fahrzeugproduktion hinaus entstehen heute in Rüsselsheim Achsen, Komponenten und F40-Getriebe.

Ebenfalls am Standort Rüsselsheim befindet sich das Internationale Technische Entwicklungszentrum (ITEZ) sowie das GME Design Center. 7.350 Mitarbeiter sind verantwortlich für Entwicklung und Design von Fahrzeugen der Marken Opel und Vauxhall. Darüber hinaus konzipiert das ITEZ neue Fertigungsanlagen für die weltweite GM-Automobilproduktion. Für die Zukunft investiert man elf Millionen € um im erweiterten Design-Center ab Sommer 2017 mit hochmodernen Anlagen verschiedenste Technologien und Techniken zu vergleichen und somit schnellere Entscheidungen zu treffen.

Die Entwicklung und Fertigung von Motoren und Getrieben liegt seit Anfang 2001 in den Händen der GM Powertrain. Anfang 2016 wurden die in Rüsselheim und Turin ansässigen Entwicklungszentren in GM Global Propulsion Systems – Engineering Center umbenannt. Im Entwicklungs-, Innovations- und Testzentrum entstehen dort die Aggregate für die Zukunft. Fast die Hälfte der rund 2.000 Mitarbeiter in Rüsselsheim beschäftigen sich mit der Entwicklung alternativer und elektrischer Antriebe.
Auf mehr als 20 hochmodernen Prüfständen laufen umfangreiche Motoren- und Getriebetests. So wurde hier zum Beispiel das neue Sechsgang-Schaltgetriebe entwickelt. Im Mai 2015 feierte man Richtfest für das neue Motoren-Entwicklungszentrum, in dem ab 2017 dann auf 43 Prüfständen neue sparsame Motoren zur Marktreife vorbereitet werden können.

Die mehrheitliche Opel-Tochter Opel Special Vehicles GmbH (OSV), seit 2000 in Rüsselsheim angesiedelt, ist zuständig für Sonderfahrzeuge. Egal ob Erdgas, Behördenfahrzeuge, Taxi- und Fahrschulumbauten oder Kleinserien und spezielle Anfertigungen. So wird nach Kundenwunsch das zuvor am Band produzierte Fahrzeug fertig gestellt oder verändert.  Gemeinsam mit dem ITEZ entwickelte OSV auch das umweltfreundliche und wirtschaftliche CNG-Antriebskonzept auf Erdgas-Basis (Compressed Natural Gas), das erstmals beim Opel Zafira 1.6 CNG angeboten wurde. OSV übernimmt aber auch spezielle Ein- oder Umbauten, die den Takt am laufenden Band stören würden.